Lips
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Microsoft will bekanntlich die Xbox 360 für den Massenmarkt tauglicher gestalten. Doch was fehlt ihr zum letzten Durchbruch, was Sony schon vor Jahren erkannt hat? Richtig, ein Karaoke-Erlebnis, das neue Käuferschichten wecken soll. Sony konnte mit SingStar einen beachtlichen Erfolg landen, der bis heute noch ungehemmt seinen Siegeszug fortsetzt, was nicht zuletzt an der Vielzahl der Musikrichtungen liegt. Von Pop, bis hin zu Schlager ist alles vertreten, was den Hobby-Sänger bei Laune hält. Doch Microsoft hat nach einer verspäteten Einsicht erkannt, dass mit dem Karaoke-Genre neue Käuferschichten gewonnen werden können. So hat man ein internes Studio aus Japan beauftragt, eine Marke zu veröffentlichen, die den Boom auf der PS2 und PS3 auch auf die hauseigene Konsole befördern soll. Somit ist Lips geboren, das SingStar den Gar ausmachen soll, um endlich auch den Sprung in neue Gefilde zu öffnen. Wie sich das Debüt auf der Redmonder Konsole macht, erfahrt ihr im Test!
Ein SingStar-Klon?
In erster Linie ist Lips ein direkter Abklatsch des Kontrahenten aus dem Sony-Lager. So beinhaltet das Startpaket zwei Mikrofone und das Spiel Lips. Doch zu Anfang merkt man, dass das Paket kabellose Mics beinhaltet, die wirklich sehr gut verarbeitet sind. Zudem fällt direkt auf, dass das schwarze und weiße Mikrofon mit kleinen LEDs bestückt sind. Diese kleinen Lämpchen leuchten nämlich zum Takt des jeweiligen Songs und das sogar in verschiedenen Farben, was wirklich einen tollen Effekt darstellt, der sehr cool aussieht. Hier muss man feststellen, das Lips im Gegensatz zu SingStar einen Sprung weiter ist und zuletzt die besseren Mikros mitbringt.
Doch das Wichtigste ist bekanntlich die Software. Hier bietet die Spiele-DVD satte 40 Songs, die darauf warten, nachgesungen zu werden. Dennoch muss sich auch Microsoft eingestehen, dass die Auswahl nicht unbedingt die Beste ist - da hätte man mehr bieten können. Ich finde es ja wirklich nett, dass die Entwickler für jedes Land auch spezielle Songs in der jeweiligen Sprache mit eingebunden haben, aber warum um Himmels Willen wurden Songs von Roland Kaiser und De Randwichten implementiert? Hätte man da nicht beliebtere und für die potentiellen Käufer einer Xbox 360 interessantere Musikstücke mitbringen können?
Ansonsten kann die Mischung dennoch überzeugen. So sind die Songs In Bloom von Nirvana, Umbrella von Rihanna, Young Folks von Peter Björn and John, No One von Alicia Keys und auch Bleeding Love von Leona Lewis direkte Highlights des Spiels. Nichtsdestotrotz werde ich das Gefühl nicht los, das Lips mehr einer Kuschelsong-Platte ähnelt, als einer durchdachte Musik-Mischung. Denn Songs von Maroon 5, Seal, Yvonne Catterfeld, Reamonn, Dido, Coldplay und Roxette, die mit ihren bekanntlich langsamen Balladen ihren Beitrag leisten, sprechen eher für ruhige Kuschelabende, als für Party-Spaß mit Freunden, was wirklich schade ist. Somit sollte man auf den Musicstore von Lips setzen, wo ihr regelmäßig für 160 MS Points neue Songs herunterladen könnt.
Zudem besteht die Möglichkeit, einen MP3-Player an die Xbox zu stecken, um so seine eigenen Songs ins Spiel zu integrieren, um diese dann nachsingen zu können. Zwar wird euch kein Text eingeblendet, aber der virtuelle Faden für Höhe und Tiefe der Stimme wird nach wie vor angezeigt, um so sein Können unter Beweis zu stellen und ordentlich Punkte einzuheimsen. Auf Wunsch könnt ihr eure hochgeladene MP3-Datei sogar an die Mannen von Microsoft senden, um diese später sogar wirklich im Lips-Store wiederzufinden und zu kaufen, damit auch der Text und das Musikvideo dazukommen. Eine wirklich gute Idee, die aber auch konsequent von den Entwicklern genutzt werden sollte.
Das Spiel bietet euch sogar zahlreiche Optionen, das Design des Menüs oder das Leuchten der Mikros zu verändern. Demnach könnt ihr das Spiel ganz nach euren Wünschen gestalten.
Werde ein Stern am Himmel
Doch wie ergeht es Lips in der Praxis? Um es direkt auf den Punkt zu bringen. Lips spielt sich genauso wie SingStar, nur mit dem Unterschied, dass ihr zudem diverse Gesten vollführen müsst, um die Punkteskala noch höher zu treiben. Vom Prinzip her ähneln sich beide Spiele jedoch sehr. Auch bei Lips läuft ein Faden durch das Musikvideo, das euch sowohl den Text, als auch den Leitfaden für das Treffen der richtigen Tonlage anzeigt. Je nachdem, wie gut ihr die Töne trefft, werden Punkte gesammelt, die ihr aber bei Lips, wie schon gesagt, noch weiter hochtreiben könnt. Da die Mikros zudem bewegungssensitiv sind, könnt ihr durch gezieltes Schütteln den Takt nachrasseln, während der Refrains das Mikro nach oben ziehen, oder in die Hände klatschen. All das wird registriert und fordert neben dem eigentlichen Singen auch die Performance, was für lustige Abende mit Freunden sprechen sollte. Natürlich dürft ihr auch im Duett singen. Ist euren Freunden langweilig, können diese den Controller in die Hand nehmen und während des Songs klatschen, oder diverse Instrumente ertönen lassen. Dies wirkt allerdings ein wenig aufgesetzt und weniger sinnvoll.
Nachdem ihr ein bestimmtes Musikstück nachgesungen habt, bekommt ihr die ersungenen Punkte auf ein Konto gutgeschrieben, das euch nach einiger Zeit vom Kneipensänger zum Stern befördert. Zudem wird nicht nur euer Gesang bewertet, sondern auch das Taktgefühl, die Performance und die Textsicherheit spielen eine wichtige Rolle für die letztendliche Bewertung.
Wenn ihr keine Lust auf das normale Nachsingen der Lieder habt, könnt ihr auch zwischen zwei anderen Spielmodi wählen. So gibt es einen Modus, indem ihr zum Beispiel im Duett zwei verliebte Personen durch das richtige Singen näherbringen sollt, damit diese sich am Ende küssen. Oder ihr versucht eine Bombe nicht explodieren zu lassen, indem ihr auch möglichst korrekt singt. Diese Modi bringen kurzweiligen Spaß, der aber nicht wahnsinnig lange anhält, dafür fehlt es einfach an Ideenreichtum.