Infos zum Spiel


Far Cry 2

Entwickler: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft
Erscheinungsdatum: 31.12.2008
Genre: EGO-Shooter
Plattformen: PC XBox Playstation

Wertung


Grafik: 87 %
Sound: 94 %
Gameplay: 54 %
Steuerung: 80 %
Mehrspieler: 67 %

Positiv


  • Unverbrauchtes, schönes Setting
  • Super Sound
  • Klasse Grafik
  • Grandioser Tag-/Nachtwechsel
  • Fettes Waffenarsenal
  • Open-World-Feature prinzipiell nett gedacht…
  • Klasse Feuereffekte

negativ


  • Story? Nicht bei Far Cry 2
  • Missionsstruktur aus der Hölle
  • Elend lange Leerlaufphasen
  • Gegner-Respawns in weniger als drei Minuten
  • Fahrzeuge lassen sich zu schnell schrotten
  • Zu viele unbelebte Orte
  • Gegner-KI miserabel
  • … aber schlecht umgesetzt
  • Nettospielzeit ohne lange Wege unter fünf Stunden
  • Mehrspieler-Modus zu normal
  • Austauschbare Helden
  • PS3-Version technisch unzumutbar

Far Cry 2 Spielebericht


Far Cry 2

Far Cry 2

Lange haben wir auf das Spiel warten müssen und viel zu oft mussten wir uns Präsentationen anschauen, in denen uns die Entwickler des Spiels die Münder wässrig machten. Nun haben wir den Titel auch endlich seit einigen Wochen im Testlabor gehabt und erlebten recht schnell eine eiskalte Dusche. Ist der Funke etwa nicht übergesprungen? Wo ist das Feuer hin? Das klärt der Test.

Manchmal ist das Leben ja verdammt unfair. So ein Flug in ein anderes Land stellt man sich zunächst ja ganz cool vor – auch nach Afrika. Weitläufige Steppen, die grenzenlos erscheinende Freiheit und nichts außer Sand und einigen vereinzelten Lebewesen. Doch schon bei der Ankunft kann so einiges schieflaufen, so auch beim Helden von Far Cry 2, welcher direkt an Malaria erkrankt, in ein Hotel gebracht wird, wo er auch von dem Mann ausgelacht wird, den er eigentlich killen soll. Ubisoft versucht damit die Emotion des Spielers von Anfang an gegen diesen Mann zu hetzen, schafft es aber aufgrund mangelnder Authentizität nicht – der gute Mann wirkt einfach nicht glaubwürdig.

Was passiert danach? Man darf sich zwischen UFLL und APR entscheiden – zwei verfeindete Fraktionen in einem Wust von Gegnern, denn auch Söldner sowie Underdogs durchstreifen die Steppen und machen viel Tumult. Wirklich helfen tun nur enge Vertraute, Diamanten als Zahlungsmittel und viele, viele Malariapillen gegen die Krankheit.

Eine Story zum Vergessen

Far Cry 2 war ja ein sehr ambitioniertes Projekt, Ubisoft hat aber ein Detail immer bewusst außen vor gelassen, die Story. Kein Wunder, denn jeder Grundschüler mit dem Hang zum Sadismus kann auf sowas kommen. Die Jagd nach dem Schakal (dem Typen da vom Anfang des Spiels) verliert nach dem ersten Gespräch mit den Jungs der APR oder UFLL sofort an Reiz, man verliert auch zwischendurch vollkommen das Ziel – weil eigentlich viel mehr der Krieg zwischen den Banden tobt. Der eigene Held ist total farblos, ja, man kann nicht mal die verfeindeten Parteien gegeneinander ausspielen. Nichts. Es ist sogar vollkommen schnuppe, ob ihr eine Mission für die APR und direkt danach für die UFLL macht – das Spiel hetzt sowieso alles und jeden mit Waffe auf euch. Kein Wunder also, dass Ubisoft gleich acht Charaktere zur Auswahl stellt, denn jeder ist austauschbar – und nach wenigen Stunden im Spiel lernt man die anderen nicht ausgewählten Charaktere kennen.

Missionen aus der Hölle

Die Missionen in Far Cry 2 sind das langweiligste, was ich je in meinem ganzen Leben erlebt habe. Kollege John-Henry hat es in seinem eigenen Blog schon bereits vollkommen zutreffend geschildert. „Ihr geht in das neutrale Dorf und geht zum großen Haus der UFLL (wahlweise auch APR, es macht keinen Unterschied vom Aufbau her). Dort steht dann ein grimmiger Afrikaner, der von euch verlangt, eure Waffen abzugeben. Kein Ding, machen wir doch gerne. Rein ins Haus. An der Wand hängen ein Kasten für Medizin und einer zum Speichern. Wir hören bereits die Stimmen von 2 Männern, die über irgendwas storymäßiges labern, gehen die Treppe hoch und betreten den Raum, aus dem die Stimmen kamen. 2 ganz coole Typen sitzen auf der Couch (APR) bzw. auf 2 Stühlen (UFLL) und labern uns voll. Letztendlich soviel wie ‚Ja, du bist toll! Wir haben noch eine Mission für dich. Fahr ans andere Ende der Welt und jage dort was in die Luft / töte den und den‘. Na gut, was will man in einem Shooter sonst für Quests erwarten. Also - Mission angenommen, Geld im Voraus kassiert und raus gehts wieder.“

Diesem Abschnitt ist absolut nichts mehr hinzuzufügen. Der Missionsablauf hernach sieht folgendermaßen aus: Kurz nach Annahme der Mission ruft euch einer der Kollegen an, der da auch schon irgendwas von wegen „hey, ich hab hier ne coole Abkürzung, komm eben schnell her“. Diese entpuppt sich meistens aber als wesentlich haariger als der direkte Weg. Ist die Mission erledigt, ruft euch dieser Spast freundliche Kerl nochmal an, weil er sich in Schwierigkeiten begeben musste. Unterwegs spawnen die Gegner auch in weniger als fünf Minuten (gefühlte zwei), wieder an Ort und Stelle, was irgendwie extrem unglaubwürdig wirkt. Aber hey, das ist Afrika, der Kontinent mit der zweithöchsten Bevölkerung auf Erden, da gibt es ja genug Opfer. Nach gefühlten 20 Minuten und etlichen absolut unnötigen Feuergefechten sind wir wieder am Haus zurück, schauen uns die Wand mit dem Speicherpunkt und dem Medizinkasten an, hören zwei Typen reden und bekommen die nächste Mission. Kurzum: Epic Fail, Ubisoft.

Die Waffen im Spiel sind ja per se ganz abwechslungsreich und sehr realitätsnah. Flammenwerfer, AK, Schrotflinte, Bazooka und Co. geben sich in Far Cry 2 die Hand. Am Anfang jedoch sieht man beim Waffenhändler (nicht vorhandener Mensch, dafür steht ein Computer mit Internetanschluss – klingt komisch, ist aber so), dass so ziemlich alles ausgegraut ist. Es braucht Diamanten, um sich neue Wummen zu kaufen. Diese gibt es entweder in den 221 versteckten Koffern im Spiel oder bei Annahme einer Mission. Neben dieser Möglichkeit an neue Waffen zu kommen gibt es noch die zahlreich versteckten Nebenmissionen, die allerdings immer gleich ablaufen: Konvoi finden und vernichten.

Waffen nutzen sich bekanntlich mit dem mehrfachen Gebrauch ab. Das ist auch in Far Cry 2 so, denn schon recht schnell haben die Wummen der Afrikaner übelste Ladehemmungen, was vor allem in einem sehr hitzigen Kampf zu einem sehr großen Nachteil mutieren kann. Verzagen und bangen sollte niemand, schließlich gibt es diverse Upgrades, die genau diesen Abnutzungseffekt maßgeblich zu verhindern wissen. Zudem könnt ihr euch einen Tarnanzug besorgen oder einen Munitionsgurt – soll auch ganz praktisch sein, wenn der Basiswert an Kugeln zu knapp sein sollte.

Lange und langweilige Leerlaufphasen

Nach jeder angenommenen Mission ist es doch dasselbe. Man geht raus, bekommt seine Waffen wieder und muss sich für eines der verfügbaren Vehikel entscheiden. Insgesamt im ganzen Spiel stoßt ihr auf halbkaputte PKWs, Jeeps, Boote und noch so einige Untersätze mehr. Die Karren können durch einen leichten mechanischen Eingriff repariert werden (wäre es doch in der Realität bloß so einfach, nur eine Schraube umzudrehen, damit das rostige Ding wieder fährt), sofern der Motor nicht schon am Brennen ist. Dumm nur, dass die Fahrzeuge meistens nach fünf bis sechs Treffern den Geist aufgeben und man sich viel zu schnell per pedes durch die endlosen Savannen bewegen muss.

Im Auto selbst gibt es immer ein kleines Navi mit GPS, das euch den Weg relativ weist. Außerdem werden die Schilder farblich gekennzeichnet, damit ihr während der Fahrt nicht immer die Karte aus der Tasche hervorkramen müsst.

Soldatenausbildung bei der US-Army gemacht?

Manche Menschen behaupten ja, die Amerikaner würden erst schießen und dann denken. Lassen wir diesen Stereotyp mal so stehen wie er da verfasst wurde und beziehen das auf Far Cry 2. Nun müsste man automatisch den Gedanken haben: Hey, die Gegner in FC2 sind ja genau so. Oftmals sieht ein Feuergefecht mit den Negativ-Intelligenzbestien in FC2 nämlich so aus: Gegner entdecken euch, laufen panisch von Deckung A zu Deckung B, schießen da schon wie die Bekloppten und treffen nicht. In der Zwischenzeit seid ihr entweder über alle Berge oder steht hinter ihnen, weil die es nicht raffen, dass ihr euch von hinten anschleicht. Auch ausbreitende Feuer bemerken die Vollpfosten so gar nicht, nein, sie laufen sogar noch rein (!) als würden sie die Schmerzen mutwillig ertragen wollen. Das ist besonders dann bitter, wenn ihr den Vorgänger gespielt habt, in dem sich die Gegner extrem intelligent zu Squads zusammenschlossen und euch das Leben so richtig schwer machten. In Teil 2 sieht das leider nicht mehr so aus, jeder kämpft als wäre er der letzte Überlebende.

Kein Wunder also, dass das Open-World-Feature von Far Cry 2 dadurch ein wenig in seiner Wichtigkeit gemindert wird, schließlich reicht es vollkommen aus, blind in die Basis zu laufen und alles niederzuballern, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Der Vollständigkeit halber aber muss ich zugstehen, oftmals die natürlichen Gegebenheiten genutzt zu haben. Sich hinter die Basis zu schleichen und mit dem Flammenwerfer alles in Flammen zu setzen, sodass den Gegnern extrem wenig Raum zur Bewegung bleibt, ist amüsant. Oder auch gezielt explosive Fässer hochgehen zu lassen, um für Verwirrung zu sorgen, auch wenn die Gegner die Position des Spielers sofort finden (ich wusste gar nicht, dass ich in Leuchtschrift über meinem Char ein „Hey, ich steh hier“ stehen habe).
 


Wer wohnt denn da?

Das Speichersystem von Far Cry 2 wurde nicht nur in unseren Previews oftmals stark bemängelt, sondern auch von Fans, die sich etwaige Artikel durchgelesen haben. Kein Wunder also, dass Ubisoft das Problem bei Konsolen umgehen musste. Geschickt gelöst: Nun wird nach jeder abgeschlossenen Teilmission gespeichert, bei jedem Besuch im Waffenlager, bei den Hauptquartieren der Fraktionen, bei den Busfahrten oder auch, wenn ihr euch in das eigens eroberte Haus kurz schlafen legt. Im langfristigen Test mit der PS3-, Xbox 360- und PC-Version erwies sich diese Lösung als durchaus gut. PC-Spieler haben sowieso das bessere Los gezogen, sie können immer und überall speichern.

Ein anderes Feature sollte im Zusammenhang mit den Speicherpunkten geklärt werden, auch wenn es offensichtlich nichts damit zu tun hat. Checkpoints. Die gibt es nämlich nicht. Sollten euch die Gegner wirklich mal unter den letzten Balken ballern, müsst ihr ganz schnell die Wunde an einem sicheren Ort versorgen und könnt erst dann die rettende Spritze benutzen, die eure Lebensenergie wieder vollkommen auffüllt. Sollten euch die Gegner trotzdem mal komplett von den Socken ballern, hilft einer der Kollegen aus, schleift euch zu einem vermeintlich sicheren Ort und überreicht eine Pistole. Gibt es diesen Kollegen nicht mehr, ist Sense. Neu laden und erneut versuchen.

Technisch erste Klasse

Die Grafik von Far Cry 2 ist unbestreitbar einfach nur grandios. Traumhaft. Unverbraucht. Idyllisch. Leider manchmal auch zu idyllisch, denn Afrika ist schließlich für die lebhafte Tierwelt bekannt und von der sieht man in Far Cry 2 leider nicht allzu viel. Trotzdem wissen die Flora und Fauna jederzeit zu gefallen und brillieren mit gestochen scharfen Texturen und realitätsnahen Bewegungen. Die Abwechslung in Far Cry 2 ist auch nicht zu kurz gekommen, bietet der Titel schließlich tolle Oasen, dichte Waldstücke oder fabelhaft aussehende Flusswege. Atemberaubend schön ist auch der Tag-/Nachtwechsel inszeniert worden, welcher mit tollen Sonnenstrahleffekten durch die Baumkronen hindurch überzeugt. Die wechselnden Wetterbedingungen sind das Tüpfelchen auf dem i.

Wie so oft gibt es aber bei den drei getesteten Versionen Unterschiede. Während sich die PC- und Xbox 360-Versionen wie Zwillinge ähneln, ist die PS3-Fassung die mit Abstand schlechteste. Warum wissen wir leider nicht, aber Fakt ist, dass die PS3-Ausgabe eine geringere Weitsicht, schwammigere Texturen und teilweise richtig üble Pop-Ups besitzt, die sogar dann auftauchen, wenn man eigentlich vor dem Objekt steht – und das, obwohl satte 3,5GB installiert werden; ein Unding sondergleichen.

Mehrspieler-Modus

Wie auch im Singleplayer-Modus verschenkt Far Cry 2 im Mehrspieler-Part so einiges an Potenzial. Mit seinen vier Spielmodi DM, TDM, CTF und Aufstand bieten die Jungs von Ubisoft Montreal die Standardkost in einem Shooter – ein wenig sehr ideenlos. Bis zu 16 Spieler nehmen an den Mehrspieler-Schlachten teil und dürfen aus sechs Klassen (von Scharfschützen über Assaults bis hin zu Heavy Gunnern ist alles verfügbar, was Rang und Namen hat), um sich dann die Köppe einzuschießen. In Ranglisten-Matches steigt der Rang, durch den ihr neue Waffen sowie Upgrades erhaltet. Der Server-Browser ist ein wenig zu kompliziert geraten, die Performance der Server ist jedoch sehr solide, Lags haben wir nicht wahrgenommen. Der mitgelieferte Karten-Editor ist nicht nur sehr umfangreich, sondern auch wesentlich leichter zu bedienen als bei der Konkurrenz, weil Ubisoft zahlreiche Tipps und Kniffe für die Spieler eingebaut hat.

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